Wieviel NEIN muss sein? Oder: Wie hört mein Kind auf mich?

Wieviel Verbote für ein Baby oder Kleinkind?
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Kennt ihr das auch? Man hat sich in der Rückbildung mit einigen Mamas gut verstanden, trifft sich nun regelmäßig zu einer privaten ‚Krabbelgruppe‘ und alles ist wunderbar. Dann werden die ersten Kinder mobil und krabbeln umher und plötzlich werden diese Treffen zum Nervenakt. Nicht etwa, weil die Kinder mobil sind. Sondern weil sie keine Grenzen kennen und nicht hören. Besonders gerne werden dann sämtliche Gegenstände deines Heims von den Müttern eben dieser Kinder hochgestellt, weggepackt und wenn alle wieder weg sind, darfst du erst einmal wieder neudekorieren. Bei entsprechenden Mamas zu Hause ist es einfacher: Sie haben einfach jegliche Gemütlichkeit aus ihrem Heim genommen: Dekoartikel gibt es keine mehr, alle Pflanzen wurden rausgeworfen und vor den Fernsehern und Anlagen kleben Pappkartons. Für mich das blanke Grauen!

Für meinen Göttergatten und mich war es von vorne herein klar, dass wir das alles nicht wollen. Wir waren davon überzeugt, dass es auch anders geht und sind darin bestätigt worden. Bei uns stehen Glasvasen auf Boden oder niedrigen TV Möbeln. Wir haben aktuell kleine Zierkürbisse auf dem Couchtisch stehen. Ja sogar kleine Teelichthalter befinden sich bei uns in „Greifweite“ unserer Tochter. Bei unseren Freuden sieht es genauso so – also ist unser Töchterchen kein Einzelfall.

Ja und neulich war es dann so, dass mich eine Frau in der Arztpraxis ansprach, wie ich es denn geschafft hätte, dass meine Tochter hört. Ich war richtig irritiert – wieso sollte sie nicht hören? Erziehung?! Doch im Gespräch wurde mir eine Sache klar: Sie dachte wirklich, dass das Thema Erziehung erst viel später beginnt. Nicht schon mit dem „Mobil werden“ der Kinder.

Ich habe ihr dann erzählt, dass wir – sobald die Kleine (sie krabbelte mit 6 Monaten los) krabbeln konnte – zwei Wörter eingeführt haben: „NEIN“ und „STOP“.

NEIN

„NEIN“ wird bei uns seit jeher für einige (wenige) Dinge verwendet, wenn wir einfach nicht wollen, dass sie daran geht. Die eben erwähnten Glasvasen bspw. sind ein klares „NEIN“. Ebenfalls Kerzen, Windlichter und Pflanzen. Und noch etwas Schönes bringt es mit sich, das sie weiß, das „NEIN“ auch nein heißt: Sind wir woanders zu Besuch oder in Geschäften, genügt ein „NEIN“ und sie lässt davon ab.

Bitte versteht mich nun nicht falsch: Unser Töchterchen ist kein Engel. Natürlich hat sie uns getestet und die ersten paar Tage war es auch immer wieder ein Kampf. Aber mittlerweile kann ich auch umdekorieren und sie rührt gewisse Dinge nicht an – eben weil sie „NEIN“ sind.

Kinder werden immer wieder testen, ob gewissen Aussagen der Eltern immer noch gelten. Auch wenn es so aussieht, als wollten sie uns „nerven“, geht es dabei eigentlich nur darum, Vertrauen zu gewinnen. Sie wollen wissen, dass unsere Aussagen Beständigkeit haben. Das es wirklich so ist. Umso schlimmer, wenn wir immer wieder nachgeben. Die Kleinen werden so total verwirrt und wissen irgendwann gar nicht mehr, was denn nun eigentlich stimmt. Daher ist eine gewisse Konsequenz unabdingbar notwendig in der Kindererziehung.

Doch ein Hinweis: Überlegt euch – am besten Mama und Papa gemeinsam – was ein „NEIN“ ist. Das Wort sollte nicht inflationär verwendet werden, dann funktioniert es nicht. Und außerdem: wenn euer Kleines beinahe ausschließlich das Wort „NEIN“ zu hören bekommt, ist das auch nicht schön. Schließlich ist es auch sein oder ihr Zuhause und es soll sich ja auch noch frei bewegen dürfen.

Beispielsweise stört es euch wirklich, wenn euer Kind mit den TV-Fernbedienungen spielt? Kann es hier etwas kaputt machen? Oder schadet es irgendwie anders? Wieso sollte eine Zeitschrift immer gleich ein „NEIN“ sein? Klar, wenn ihr sie noch lesen wollt, aber vielleicht gibt es eine, mit der euer Kleines spielen darf? Das zerreißen von Papier fördert immerhin die Motorik 🙂 Auch das ‚Knöpfedrücken‘ an einem, für euer Kleines, zugänglichen Receivers o. ä. muss nicht gleich ein „NEIN“ sein. Denn mal ehrlich: Was passiert da schon großartig?

Auf was ich hinaus will: Schaut euch mal bei euch zu Hause um, was wirklich gefährlich ist, kaputt gehen kann usw. Und überlegt, was euch ein „NEIN“ wert ist. Ich habe gelesen, dass es anfänglich nicht mehr als 5 Gegenstände sein sollen, die „NEIN“ sind.

STOP

Das zweite Wort war „STOP“. Stop haben wir vor allem für eins eingeführt: Für ihr eigene Sicherheit! Wir setzen es ein, wenn wir möchten, dass unsere Kleine innehält. Nicht mehr weiterkrabbelt bzw. nun nicht mehr weiterläuft. Einfach komplett stillhält. Anfänglich war es uns wichtig, dass sie nicht aus unserem Bett/ von der Couch „krabbelt“ oder von der Wickelkommode fällt. Nun hilft es, wenn sie z. B. aus einem Geschäft einfach wieder rauslaufen will, obwohl man selber noch an der Kasse steht. „STOP“ und unsere Tochter hält direkt inne.

Fazit: Natürlich ist die Einführung dieser Worte und damit der Beginn der Erziehung eures Kinder – manchmal – anstregend. Aber nach meine Erfahrung: ihr werdet euch selber danken und auf die Schulterklopfen, wenn ihr nach einigen Wochen entspannt unterwegs sein könnt, ohne ständig aufzuspringen, Pflanzenerde aufzusaugen oder alles wegzuräumen. So werden auch Einkäufe, Stadtbummel, Restaurant- oder Arztbesuche nicht zu einem emotionalen Nervenakt! Versprochen!

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1 Antwort

  1. 6. April 2016

    […] also mit allem spielen dürfen, was in seiner Reichweite und Lose ist. Im Kinderzimmer sollten Ermahnungen, das etwas nicht genommen werden darf eher die Ausnahme […]

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