Zucker: Gut oder schlecht?

Zucker in Obst

Das Thema Ernährung kommt bei mir ja immer wieder hervor. Seit mein Mann vor einigen Monaten vom Arzt eine Zuckerdiät verordnet bekommen hat, beschäftigt auch er sich viel ausführlicher mit diesem Thema. Daher sind wir neulich abends im TV bei einer Gesprächsrunde der Sendung „hart aber fair“ hängen geblieben, die das Thema Zucker in Lebensmitteln behandelt. Auch wurde die Bedeutung für die Kinderernährung thematisiert.

Um eines vorweg zu erwähnen: Ich möchte das Thema Süßigkeiten überhaupt nicht verteufeln.

Im Gegenteil, ich finde ein Keks am Nachmittag oder ein Stückchen Schokolade nach dem Abendessen kann ein Genusserlebnis sein, welches Geselligkeit und Gemütlichkeit unterstreicht. Gemeinsame Essen und Genießen mit der Familie und Freunden ist bei uns ein zentraler Bestandteil des Lebens. Was wir aber erschrecken finden ist, dass man fast keine Wahl hat und permanent auf die eine oder andere Weise Zucker zu sich nimmt. Lebensmittel ohne Zucker zu finden ist schon fast unmöglich. Ein gewisses Maß an Zucker braucht der Mensch auch – auch Kinder für die Entwicklung des Gehirns. Hierfür würde allerdings auch natürlicher Zucker in Obst und Gemüse ausreichen. (Ja richtig gelesen Gemüse. Auch in vielen Gemüsesorten steckt Zucker, Möhren kommen beispielsweise auf 4,7 Gramm auf 100 Gramm. Das sind etwa 1,5 Zuckerstücke auf eine mittelgroße Möhre).

Bis zum vollendeten dritten Lebensjahr befinden sich die Geschmacksnerven eures Kindes in der Entwicklung. Dann haben sich alle Geschmacksorgane ausgebildet und die Vernetzung mit dem Nervensystem ist abgeschlossen, so dass das komplette Geschmacksspektrum wahrgenommen werden kann. Bis zum Alter von 8 Jahren jedoch befindet sich euer Kind noch in der Prägephase des Geschmackssinn. Hier werden Geschmacksschwellen gebildet, also es wird auch festgelegt wann etwas als süß empfunden wird. Bei einer permanenten Zuckeraufnahme stumpfen die Geschmacksnerven ab, die Schwellen werden immer höher um wirklich noch ein süßes „Erlebnis“ zu haben, muss mehr Zucker her. [Zum Nachlesen]

Dieser Nerven lassen sich übrigens auch „resetten“

Nach dem Ende der Zuckerdiät meines Mannes empfand er plötzlich einige Lebensmittel wieder als richtig süß, aus denen er sich vorher nichts gemacht hat. Auch der obligatorische Löffel Zucker im Kaffee fällt seitdem weg. Nicht aus Verzicht – es schmeckt nun auch einfach ohne.

Im Beitrag bei „hart aber fair“ wurden übrigens auch Verpackungen für Kinder verteufelt. Hier frage ich mich allerdings: Wieso? Essen soll Spaß machen. Wenn Kinder auf eine bunte Elsa- Verpackung abfahren, dann sollen sie das tun. Es kommt ja auf den Inhalt an. Im Übrigen glaube ich, dass Kinder Naturjoghurt in bunter Elsa-Verpackung genauso gerne essen würden. Wenn sie es nicht anders gewöhnt sind. Wer natürlich den Geschmack von Fruchtzwergen gewohnt ist, die selbst in der weniger süßen Variante immer noch gute zwei Stückchen Zucker in dem winzigen Becher enthalten, den kann man mit einfachem Naturjoghurt nicht mehr begeistern. Dabei haben doch viele Produkte – gerade für Kinder – ein gesunden „Image“, welches fleißig beworben wird. In Wirklichkeit aber stecken sie voll versteckten Zuckerzugaben. „Müsli“ zum Beispiel hat ja ein gesunden Image. Viele Frühstückscerealien jedoch strotzen vor Zucker. Wenn man das weiß, kann man damit umgehen. Und es als das genießen was es ist – eine Süßigkeit, z. B. für den Sonntagmorgen. Aber eben nicht für täglich.

Wie kann ich versteckten Zucker erkennen?

Nicht immer muss Zucker draufstehen, diese Zutat lässt sich in vielen verwirrenden Begriffen verstecken:

  • Saccharose
  • Laktose und andere -osen, Dextrose oder Fruktose
  • Süßmolkenpulver
  • Maissirup, Stärkesirup
  • Invertzucker, Invertzuckersirup
  • Malto-…etwa Maltodextrin oder Maltoextrakt
  • Dicksaft

Hier noch mehr. 

Was man tun kann um versteckten Zucker zu meiden:

  • achtet nicht nur auf die Inhaltsstoffe sondern auf die Nährwertangaben – wieviel Zucker auf 100 Gramm ist wirklich enthalten
  • versucht viel selbst und frisch zu kochen, dann weiß man wenigstens was drin ist
  • versucht anhand der Nährwertangaben herauszufinden: was ist gesund und was ist eine Süßigkeit?

Ein paar Fakten:

Ein Stück Würfelzucker entsprechen etwas 3 GrammZucker. Will man sich gesund ernähren, sollten höchstens zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr mit Zucker gedeckt werden, rät die Weltgesundheitsorganisation. Noch besser sei es, den freien Zucker gleich auf fünf Prozent zu reduzieren. Als kritischer, freier Zucker gilt dabei aller Zucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wird sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist. Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung haben Kleinkinder von 1 bis 4 Jahren einen Energiebedarf von etwa 1100-1200 kcal. Davon sollen maximal 110-120 kcal in Zucker aufgenommen werden. 5 Prozent wären etwa 12 Gramm Zucker, also 4 Stücke. [Lest dazu auch hier und hier]

Ein Rechenbeispiel gefällig?

Ein Hipp-Früchteriegel Banane-Apfel kommt auf 47,5 Gramm Zucker auf 100 Gramm. Klar diese Süße kommt aus Früchten, aber es ist trotzdem Zucker. Ein Riegel hat 25 Gramm, womit wir bei 11,9 Gramm Zucker wären – umgerechnet fast 4 Stücke. Der Zuckerbedarf ist damit quasi gedeckt.

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