Vorbild und Prägung – Kindererziehung ist nicht immer einfach

Schon klar, wir prägen unsere Kinder. Darum versuchen wir allzeit ein gutes Vobild zu sein. Wir sind ordentlich, essen mit Messer und Gabel, fluchen nicht (oder selten :P) und sagen höflich bitte und danke. Genauso wichtig sollte es aber auch sein nicht die eigenen Ängste  auf das Kind zu übertragen. So  bemühen wir uns unserer Kleinen eine offene Zuwendung gegenüber Tieren beizubringen – mit gesundem Respekt aber ohne Angst. In den letzen zwei Jahren habe ich also mehr Hunde, Katzen, Kaninchen, Schildkröten und Meerschweinchen gestreichelt als in meinem Leben zuvor ohne zuzugeben, dass ich eigentlich doch eher ängstlich fremden Tieren gegenüber bin.

Aber Tier ist ja nicht gleich Tier.

Ich bin mit Schwestern aufgewachsen, bei uns gab es früher im Haus ein Wundermittel gegen Spinnen. Ein lautes „Papa“, und selbiger setzte das verirrte Tier nach draußen. Wenn Papa nicht da war sprang auch Mama ein. Leider wohnen wir nicht in unmittelbarer Nachbarschaft meiner Eltern und die beiden haben sich bis heute noch nicht erbarmt eine halbstündige Autofahrt auf sich zu nehmen um verirrte Spinnen wieder an die frische Luft zu befördern. Aber wir haben unseren Weg gefunden. Bei uns zu Hause setzen wir Insekten, die sich nach drinnen verirrt haben, mit Hilfe eines Glases und einer Postkarte raus.

Ich habe aber auch Grenzen.

Kleine Spinnen – ok, aber die große Weberknechte setze ich nicht raus. Ich kann sie aber hoch oben in der Zimmerecke ganz gut ertragen, bis mein Mann von der Arbeit nach Hause kommt. Für mich absolut schlimm sind aber Schneider. Riesige Spinnen mit langen Beinen, die zudem noch fliegen können – *kreisch*. Neulich flog ein besonders großes Exemplar durch unser Wohnzimmer, blitzschnell entdeckt und fasziniert beobachtet von kleinen Kinderaugen. Was also sollte ich machen? Erschlagen oder mit dem Staubsauger entfernen finden wir blöd – und auch keine wertvolle Aussage gegenüber unserer Tochter. Also nahm ich mir mutig ein Glas und einen Untersetzer, nach ungefähr 10 Annäherungs- und Überwindungsversuchen hatte ich das Tier im Glas. Mit zitternden Händen und einem im Gesicht festgetackertem Lächeln ließ ich die Kleine das Tier im Glas ausgiebig bestaunen. Anschließend gingen wir nach draußen und mit weit von mir gestreckten Armen entließ ich das Tier in die Freiheit.

Was macht nun das M*stvieh? Nimmt direkt Kurs geradewegs in meine Richtung. Mit einem lauten Aufschrei sauste ich Haken-schlagend zurück ins Haus.

Und was macht unsere Tochter? Steht mit schallendem Gelächter daneben.

Zwar brauchte ich im Anschluss mindestens eine halbe Stunde, bis mein Herz wieder annähernd im normalen Tempo schlug, aber ich glaube ich klopfe mir trotzdem auf die Schulter. Angst scheine ich nicht auf unsere Kleine übertragen zu haben.

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