Großeltern im Urlaub

Margarita Ost, Autorin für MommyCircle

Sind eigentlich alle Eltern kleiner Kinder so abhängig von Omas und Opas oder sind nur wir erbärmliche Schwächlinge?

Jedenfalls wird uns jedes Mal, wenn die Großeltern plötzlich alleine verreisen wollen (warum auch bloß?), ganz mulmig zumute. Denn abgesehen davon, dass schon der normale Alltag mit zwei kleinen Kindern einiges an Schaurigkeiten bietet, hält das Schicksal immer zum richtigen Zeitpunkt die ein oder andere Katastrophe für uns bereit.

Das ging schon beim ersten Urlaub meiner Eltern zu Zeiten des zweiten Sprosses los.

Ich kam mit dem drei Monate alten Mark gerade frisch aus dem Krankenhaus, wo wir uns unter einer Menge Babys mit dem bescheuerten rs-Virus einige Tage aufgehalten hatten. Weder das Kind, noch ich selbst waren besonders gut drauf. Auch mein älterer Sohn hatte eine in Strömen fließende Nase, röchelnden Atem und dementsprechend üble Laune. Trotzdem flogen meine Eltern am nächsten Tag für drei Wochen nach Italien. Für drei Wochen!!! DREI!!

„Egal,“ sagte mein optimistischer Mann. „Wir müssen ja auch lernen, alleine zurechtzukommen.“

Um das triste Ende vorwegzunehmen: Das lernten wir nicht.

Stattdessen hatte ich bereits in der ersten Nacht einen Nervenzusammenbruch und mein Mann musste sich gleich um drei heulende Familienmitglieder kümmern. Was war passiert? Als ich mich endlich, wankend und schwankend und generell ausgelaugt bis zum Gehtnichtmehr, zu meinem älteren Sohn gelegt hatte, um wenigstens ein paar Stunden am Stück zu schlafen, fing er an, sich fontänenartig zu übergeben. Ja, auch auf mich. Nachdem wir ihn dreimal umgezogen und umgelegt hatten, waren alle Betten vollgekotzt und nass. Der Kleine kreischte wie immer wie am Spieß. Die Hunde heulten. Ich klappte zusammen. Wunderbar.

So ging das dann auch in etwa weiter. Zu allem Überdruss bekamen die Hunde Durchfall und mein Mann Fieber. Dann verstopften auch noch gleich zwei Rohre. Es mag jetzt überraschend klingend, aber wir überlebten trotzdem. Als die Großeltern schuldbewusst (natürlich schilderte ich alle unsere Malheurs detailgetreu in zahlreichen SMS) wiederkamen, fühlte sich das nach Erlösung an. Als wäre man selbst wieder klein und frei von jeglichen Pflichten. Vielleicht auch nicht schlecht.

Bis zum nächsten Urlaub der Großeltern. Und übernächsten. Das Problem ist ja, es wurde nie wirklich besser. Beim letzten Mal gabs wieder ordentlich Ramba-Zamba. Der Kleine bekam das Drei-Tage-Fieber und meinte überhaupt nicht mehr schlafen zu müssen, der Ältere machte zum ersten Mal im Leben ins Bett und einer der Hunde riss sich beim Gassigehen die Wolfskralle ab. Wir durften ihn dann zur Nacht hin verarzten und auf den Knien in der ganzen Wohnung auf dem Boden rumrutschen, um das Blut wegzuwischen. Lustig.

Dabei waren Oma und Opa nur fünf Tage weg. Bald steht der nächste Urlaub meiner Eltern an. Nach kurzer Bedenkzeit kauften sie auch für uns Flugtickets.

Irgendjemand muss ja aus Erfahrung lernen…


Margarita_Ost_freie_uebersetzerin_autorin_mommycircleMargarita Ost ist 1986 in Moskau geboren und wuchs in Texas, Genf, München und Aachen auf. Sie studierte Literaturwissenschaft in München und Moskau und machte danach eine Ausbildung zur Übersetzerin in Russisch und Englisch.

Sie ist verheiratet mit einem Flamenco-Gitarristen (damit ja keine Langeweile aufkommt), hat zwei Söhne (Daniel *2012 und Mark *2014), zwei Hunde und eine Spinne namens Putin im Schrank.

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