Um die plüschig-süße Babywelt…

Margarita Ost, Autorin für MommyCircle

…mal etwas aufzumischen, fange ich gleich mit einem knallharten Thema an: Müllwagen. Seit Tagen gibt es bei uns kein anderes Gesprächsthema mehr.

Alles fing mit einem harmlosen Spaziergang an. Wir flanierten also mit meinem dreijährigen Sohn die Straßen entlang, als plötzlich die Müllabfuhr ratternd und scheppernd um die Ecke kam. Mein Sohn erstarrte. Ich muss ja schon zugeben, dass mich so ein Müllwagen mit seinem Lärmpegel auch immer in ängstliche Ehrfurcht versetzt. Jedenfalls hielten die Müllmänner direkt neben uns, schnappten sich ein paar Müllcontainer und ließen sie – zur Krönung des Spektakels – recht heftig und recht oft gegen die Öffnung im Wagen knallen. Die Kinnlade von meinen Sohn klappte stumm runter. Lange-lange starrte er dem Wagen hinterher, bis er am Horizont verschwand.

Auf dem Rückweg zählte Daniel, wie hypnotisiert, alle Müllcontainer. Ich wusste schon, was kommen würde.
„Ich will einen Müllwagen haben,“ sagte Daniel bestimmt.
„Ja, der hat dir gut gefallen, hm?“ versuchte ich auszuweichen. Oft reicht das schon. Diesmal nicht. Daniel nickte kurz und schaute mir entschlossen in die Augen.
„Ich will einen Müllwagen,“ wiederholte er. Kaum vorstellbar, aber es hatte ihn wohl heftiger als bei der Feuerwehr erwischt.

„Klar doch,“ freute sich mein Mann, nachdem ihm ausführlich von der wundervollen orangenen Erscheinung berichtet wurde. „Zu Weihnachten, hm?“ schlug ich trocken vor. „Warum denn?“ empörte er sich. „Das können wir uns doch auch so mal leisten.“ (Das sei jetzt mal so dahingestellt. Als neulich ein Musikerkollege meines Mannes mit seiner Gitarre ein Sportwettbüro betrat, schlug ihm der Besitzer mit strengem Blick auf das Instrument vor, doch lieber drei, als fünf Euro einzusetzen. Soviel dazu.) „Müllwagen,“ lächelte mich Daniel selig an.

Und so landete ich in der Spielzeugabteilung am „Bruder“-Regal. Ja, genau, das sind diese riesigen, irrsinnig detailgetreuen Nutzfahrzeuge. Betonmischwagen, LKWs, alles, was das Herz begehrt. Vierzig Euro sollte mich der Müllspaß kosten. Leider steht es auch unterirdisch schlecht um die Müllwagenauswahl. Ich rümpfte die Nase. Die Größe störte mich viel mehr als der Preis. Muss ja auch irgendwo geparkt werden, diese Pracht. Ich kehrte mit leeren Händen nach Hause zurück.

„Hast du den Müllwagen gekauft?“ brüllte mir Daniel noch im Treppenhaus entgegen.
„Er war zu groß,“ antwortete ich, ohne zu überlegen, und hätte mich gleich für so viel Dämlichkeit ohrfeigen können.
„Groß ist gut!“ klatschte Daniel in die Hände. „Ich will einen groooßen Müllwagen!“
„Ja, klar. Werden wir ja noch sehen,“ dachte ich mir.

Und dann passierte etwas, was mich binnen zehn Minuten umstimmte. Nachdem ich heute drei Mal die ganze Wohnung gestaubsaugt hatte, kam ich in die Küche und stellte fest, dass mein jüngerer Sohn den Boden wieder gleichmäßig mit Brotkrümeln bedeckt hatte.
„Aaa!“ schrie ich und hämmerte auf den Tisch. „Ich werd verrückt hier!!“ Seelenruhig schlenderte Daniel in die Küche.
„Was hast du, Mutter?“ (Diese Anrede hat ihm mein Mann beigebracht. Findet er lustig.)
„Es ist so wahnsinnig dreckig!“ heulte ich. „Das macht mich fertig!“
„Keine Sorge, Mama,“ tätschelte Daniel mir das Bein. „Ich mach das schon.“
Und dann holte er allen Ernstes den Staubsauger, steckte das Kabel in die Steckdose mit der Kindersicherung und saugte den Boden blitzeblank.
„Siehst du, Mama, alles gut,“ grinste er zufrieden.

Zehn Minuten später bestellte ich den majestätischen Bruder-Müllwagen. Soll doch die gesamte Unordnung der Wohnung in seinen Eingeweiden verschwinden! Mal sehen, ob’s klappt.

Fortsetzung folgt.


Margarita_Ost_freie_uebersetzerin_autorin_mommycircleMargarita Ost ist 1986 in Moskau geboren und wuchs in Texas, Genf, München und Aachen auf. Sie studierte Literaturwissenschaft in München und Moskau und machte danach eine Ausbildung zur Übersetzerin in Russisch und Englisch.

Sie ist verheiratet mit einem Flamenco-Gitarristen (damit ja keine Langeweile aufkommt), hat zwei Söhne (Daniel *2012 und Mark *2014), zwei Hunde und eine Spinne namens Putin im Schrank.

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