Ergobaby, Manduca, Bondolino… Babytragen gibt es viele. Aber welche ist zu empfehlen?

Babytrage, Bauchtrage, Komforttrage
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Vorab: Wir finden, dass ein Babytrage eine unerlässliche Anschaffung ist. Und noch weiter: Ihr solltet euer Kleines von Anfang an daran gewöhnen. Wieso? Ganz einfach: In den ersten Wochen ist es noch sehr unkompliziert, sein Würmchen mit sich herumzutragen. Es ist leicht, bewegt sich noch nicht viel und man selber ist auch noch nicht so mobil und aktiv, wie man es später wieder ist (wobei Mamis, die nun schon das 2. Mal Mama sind, schon viel eher wieder herumflitzen :-)). Außerdem – und mit Sicherheit der wichtigste Grund: Babys sind Traglinge. Sie wollen den Herzschlag der Mama hören, genießen die Nähe und Enge.

Doch dann kommen die Zeiten, in denen euer Schatz gerne bei euch ist – ihr aber Wäsche aufhängen wollt, oder spazieren wollt (und nein, die Kleinen wollen nicht immer im Kinderwagen liegen!) oder oder oder. Wenn ihr dann solch eine Babytrage habt, könnt ihr all diese Dinge machen. Ohne großen Aufwand und ohne Stress. Das bedingt aber natürlich, dass euer Würmchen daran gewöhnt ist und es mag. Also: So schnell wie möglich immer wieder (und wenn es nur für 10 Minuten ist) ab in die Babytrage.

Nun aber mal von Anfang

Es gibt x Tragen. Im Prinzip unterscheidet man zwei Gruppen: Die richtigen Babytragen (Komforttragehilfen) und die Tragetücher (die meterlangen (4 bis 8 Meter) Stoffbahnen, die man gekonnt um sich wickeln muss). Wir finden die Komforttragehilfen werden nicht umsonst so genannt: Sie sind in Augenblicken umgeschnallt, die Würmchen sitzen sofort in der ergonomischen korrekten Anhock-Spreizhaltung und sie sind außerdem noch sehr bequem für Mama (oder Papa).

Die Tragetücher werden von Hebammen vor allem für ganz Neugeborene empfohlen – eine korrekte Wicklung vorausgesetzt. Jedoch sind sie im Alltag eher unbequem: Wenn man einkaufen geht und das Baby aus dem Auto schnell ‚einwickeln‘ möchte, es regnet, das Tuch auf den Boden kommt usw. – dann hat das alles mit Bequemlichkeit und Komfort nichts mehr zu tun. Und ältere Kinder wollen oftmals nicht mehr in den Tüchern sitzen. Schade.

Und ab wann darf mein Baby da rein?

Nahezu alle guten Tragen, sind ab Geburt (3.500 Gramm) geeignet, manche haben einen Neugeboreneneinsatz integriert, bei einigen ist dieser als externes Zubehör verfügbar. Diese machen das Tragen von noch kleineren Babys möglich.

Wie sollte mein Baby sitzen?

Beine:
Natürlich sollten die Beine die korrekte Anhock-Spreizhaltung (M-Position) einnehmen. Dein Baby nimmt diese Haltung reflexartig ein, wenn du es hochhebst. Dann sind die Knie deines Babys in Höhe des Bauchnabels und höher als der Po. Jedoch achte darauf: Niemals sollten die Beinchen überspreizt sein! Für die ganz kleinen Babys gilt daher, dass sie bevorzugt angehockt (Froschstellung) getragen werden sollten. Erst wenn die Kniekehlen aus dem Steg der Babytrage herausgewachsen und frei beweglich sind, ist es möglich, die Beine aus der Trage zu nehmen. Merke: Der Steg sollte immer von Kniekehle zu Kniekehle reichen, ohne die Kniebeugung einzuschränken

Rücken:
Der Rücken deines Babys sollte gut gestützt und gerundet (das entspricht dem physiologischen Entwicklungsstand des Babys) sein. Es sollte niemals gerade oder sogar im Hohlkreuz getragen werden (das ist auch oftmals das Problem bei der Fronttrageweise (Blick des Kindes ist nach vorne gerichtet)).

Kopf:
Gerade bei den ganz Kleinen muss der Kopf gut gestützt und die Nase immer frei sein. Dies muss auch immer wieder kontrolliert werden! Selbst wenn dein Kind den Kopf dann selber halten kann, achte – vor allem bei ruckartigen Bewegungen – darauf, dass du eine Hand an den Kopf deines Babys/ Kleinkindes legst.

Am besten zu dir gerichtet:
Bilder aus den USA, aber auch immer mehr hier in Deutschland zeigen, dass viele Eltern ihre Kinder nach vorne gerichtet tragen. Immer mehr Tragen ermöglichen die Bauchtrageweise mit der Blickrichtung nach vorne für das Kind. Diese Trageweise ist umstritten, da die Kinder keinen Kontakt mehr zu den Eltern haben. Mehr findet ihr hier.

[…]Aber nicht nur für die gesunde orthopädische Reifung ist es verkehrt, das Kind verkehrt herum zu tragen auch für die psychische Entwicklung ergeben sich Risiken, die beim Vis-á-vis-Tragen nicht vorkommen. Die Babies haben keinen Blickkontakt zu Mutter oder Vater und können somit nicht erkennen, was das Elternteil für minische und verbale Rückmeldungen gibt. Säuglinge können gerade in einem Abstand von ca. 20-30cm am schärfesten sehen, was dem Abstand zwischen Brust und Gesicht entspricht. Ihnen fehlt somit eine wichtige primäre Kommunikationsgrundlage. Ohne face-en-face-Kontakt können Säuglinge nicht lernen Gefühle zu identifizieren und Sprache zu erkennen. Das ist aber gerade in der aufregend neuen Welt außerhalb der Wohnung eine wesentliche Entwicklungsressource. Außerdem sind die mit dem Gesicht nach vorne getragenen Babies den Sinneseindrücken aus der Umgebung schutzlos ausgeliefert, was zu Reizüberflutung führen kann. Erwachsene und ältere Kinder haben gelernt zu selektieren, auszublenden und sich zu konzentrieren, das können Säuglinge im ersten halben Jahr noch nicht. Ihnen wird in dieser aussetzenden Position auch jede Chance genommen, sich selbst zurückzuziehen, indem sie sich einfach mit dem Gesicht an die Brust des Trägers kuscheln. Nur so können sie sich entspannt – in der Sicherheit gebenden Präsenz der Eltern – in den Schlaf verabschieden. Das können sie selbst dann, wenn sie auf dem Rücken getragen werden, auch wenn dort ebenfalls der Blickkontakt fehlt. Die Rückentrageposition ist aber für das Kind orthopädisch korrekt und für den Tragenden physiologisch angemessener. Denn beim Tragen schwererer Lasten und/oder über längere Strecken sind Rücksäcke bequemer und Schaden dem Rücken nicht, weil sich zum Gewichtsausgleich nach vorne gebeugt werden kann. […]Dr. Inés Brock, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Wenn du den Kopf deines Kindes küssen kannst, dann sitzt die Trage auf der richtigen Höhe:
Simpel, einfach und leicht zu merken 🙂

Sorge für den nötigen Halt:
Zurre die Gurte der Trage fest genug, dass Du dich sicher fühlst und dein Kind nicht herausrutschen kann. Achte darauf, dass der Rücken aber gerundet bleibt, dein Kind frei atmen kann und es Arme und Beine bewegen kann. So gewährleistest du, dass der Schwerpunkt korrekt ist und das Tragen sehr angenehm ist.

Aktivitäten: Viele sind möglich, manche jedoch verboten:
Natürlich kann man sich mit einer Babytrage viel freier bewegen als mit dem Kinderwagen. Belebte Fußgängerzonen oder hügelige Waldwege sind kein Problem. Jedoch joggen, Fahrrad fahren, skaten, reiten usw. sind verboten. Auch ersetzen Babytragen keinen Kindersitz im Auto.

Auf was muss bzw. sollte beim Kauf geachtet werden?

  1. Die Anhock-Spreizhaltung (M-Position) muss unbedingt eingehalten sein
  2. Wer soll die Trage alles verwenden? Wenn Papa und Mama sich beim Tragen abwechseln, dann sollte die Trage einfach vergrößert bzw. verkleinert werden können.
  3. Möchtest du die Trage oft und viel verwenden? Dann schau, wie man sie waschen kann. Dein Baby könnte spucken, sabbert beim zahnen oder hat später mal schmutzige Fingerchen. Und wenn Du die Trage beim Essen trägst, wird das ein oder andere von deinem Essen ebenfalls auf der Trage landen 😉 Eine Babytrage sollte in die Waschmaschine geschmissen werden können.
  4. Die Babytrage sollte von Beginn an durchgehend getragen werden können. Also unbedingt darauf achten, dass keine ‚Tragepause‘ eingelegt werden muss, weil dein Kind aus dem Neugeboreneneinsatz rausgewachsen ist, aber noch zu klein für die Trage alleine ist

Welche Tragen empfehlen wir?

  1. Ergobaby:
    • korrekte Anhock-Spreizhaltung (M-Position)
    • super ergonomisch und entlastend für Mamas Rücken (nicht zu unterschätzen bei langen Spaziergängen und wenn die Kleinen älter sind)
    • Neugeboreneneinsatz (extern, d. h. zum herausnehmen) bis zum 6. Monat empfohlen. Somit entsteht keine ‚Tragepause‘
    • viele tolle Designs, hochwertige und schadstoffarme Stoffe, angenehme Wattierung der Trage
    • Möglichkeit der Bauch-, Rücken-, Hüfttrageweise (neu nun der ergobaby 360°, der auch die Bauchtrageweise mit der Blickrichtung nach vorne* für das Kind erlaubt)
    • Auch für große Menschen gut geeignet
  2. Manduca:
    • korrekte Anhock-Spreizhaltung (M-Position)
    • sehr ergonomisch und entlastend für Mamas Rücken
    • integrierter, hinzuknöpfbarer Neugeboreneneinsatz, auch hier entsteht keine ‚Tragepause‘
    • mehrere Designs, hochwertige und schadstoffarme Stoffe
    • Möglichkeit der Bauch-, Rücken-, Hüfttrageweise
  3. Hoppediz Bondolino:
    • korrekte Anhock-Spreizhaltung (M-Position)
    • praktisch ist die Bindung der Träger, sie wird bei jedem anlegen neu gebunden, ein nachstellen von Gurten ist nicht nötig. Dies gilt ebenso für den klettbaren Hüftgurt
    • kein Neugeborenereinsatz notwendig. Für die ganz Kleinen ist dies etwas problematisch, obwohl der Steg angepasst werden kann.
    • mehrere Designs, schadstoffarme Stoffe
    • Möglichkeit der Bauch-, Rücken-, Hüfttrageweise

Mit diesen Tragen haben wir super Erfahrungen gemacht. Viele gute Babyfachgeschäfte oder Hebammenpraxen bieten Tragekurse/-beratungen an. Oft kannst du hier auch Tragen für ein paar Tage leihen, um zu testen, ob sie zu Dir passen.

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